Liebe Mitbürger hier in Bad Vilbel, sehr geehrte Frau Utter, sehr geehrter Herr Utter, sehr geehrter Herr Bürgermeister Stöhr,

ganz persönlich, aber auch im Namen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HIT RADIO FFH, planet radio und harmony.fm möchte ich Ihnen ein gutes Jahr 2017 wünschen. Auf dass all´ Ihre persönlichen Ziele und Hoffnungen in Erfüllung gehen mögen.

Und das will ich gerne bei dieser Gelegenheit sagen: Danke an Sie alle, für die Gastfreundschaft, die die Radio/Tele FFH mit ihrem Funkhaus am FFH-Platz hier in Bad Vilbel genießen darf. Wir fühlen uns in Bad Vilbel sehr wohl, viele Mitarbeiter sind hierher gezogen und wir bemühen uns, Jahr für Jahr einen erklecklichen Steuerbeitrag für den städtischen Haushalt zu erwirtschaften…

FFH steht unter anderem für Unterhaltung, gute Musik, rasche Information aus Hessen, Deutschland und der Welt. Und wir legen großen Wert auf die Interaktion mit unseren Hörern in ganz Hessen: egal ob wir Wünsche erfüllen beim derzeitigen Spiel „Wünsch Dir was, dann kriegste das“ mit über 200 000 Wünschen, die bisher geschickt wurden. Wir waren natürlich dabei als Hessen vor gut einem Jahr den 25. Geburtstag der deutschen Wiedervereinigung gefeiert hat – mit prominenten Künstlern auf dem Frankfurter Opernplatz, von Rea Garvey bis Cro, von Roger Cicero bis Nena.

FFH ist der Erfinder und Organisator des Frankfurter Wolkenkratzer-Festivals mit zuletzt 1,2 Mo. Besuchern an einem Wochenende. Aber wir stehen auch für Gediegenes, eher Kleineres: beispielsweise das FFH-Weihnachtssingen, bei dem besinnlich weihnachtlich unsere Moderatoren mit einigen hundert Hörern vor einigen Wochen in Kloster Eberbach, in Ziegenhain und Bad Soden-Allendorf gemeinsam den Advent und Weihnachten herbeigesungen haben.

FFH ging am 15. November 1989 in Frankfurt- Rödelheim in einer ehemaligen Tipp-Ex-Fabrik erstmals auf Sendung – als Wettbewerber zum damals alleinigen Radio-Platzhirschen, dem seit 1948 existierenden Hessischen Rundfunk.

HIT RADIO FFH ist ein landesweiter Radio-Sender, 20 Prozent unserer Hörer leben sogar ausserhalb Hessens. Und deshalb ist es für uns natürlich wichtig, möglichst gleich verteilt in allen Teilen unseres Bundeslandes vor Ort -nicht nur übers Radio, sondern auch handfest- präsent zu sein. Und da spielt der Hessentag eine große Rolle.

Oft werden wir gefragt: was habt Ihr damals anders gemacht. Und die Antwort ist ganz einfach, ohne überheblich wirken zu wollen: fast alles. Nachrichten um 5 vor, keine stocksteifen Nachrichten-Sprecher, der Blick auf ganz Hessen. Und erstmals wurde für ein Radioprogramm sogar geworben – mit Heißluftballonen, einem Zeppelin, Plakaten und Konzerten. Und da sind wir wieder beim „Hessentag“…

Unser erster Hessentag war wenige Monate nach der FFH- Gründung, im Frühsommer 1990, in Fulda. Damals war gerade die Mauer gefallen. Und FFH hatte einen ersten Werbe-Slogan, der lautete „Wir kommen rüber“, entstanden im Sommer 1989, nicht wissend, welche Bedeutung er schon wenige Monate später bekommen würde.

1990 waren die hessischen Medien noch eher zurückhaltend in ihrem Hessentags-Engagement: wir haben damals als erster Radiosender mit großem Erfolg eine kleine Bühne auf der damaligen Hessentagsstraße, der Bahnhofstraße in Fulda, betrieben. Im Regionalstudio des Wettbewerbers hr gegenüber blieb abgesperrt, der machte außer Berichterstattung quasi nichts. Begründung: Das „ist uns zu rummelig hier“ und „soviele Leute“.

Das hat sich ja deutlich geändert: vor allem FFH und der hr sorgen Jahr für Jahr für überregionale, hessenweite Werbung für den jeweiligen Hessentag. Und steuern interessante Veranstaltungen bei.

Wir sind 2017 in Rüsselsheim zum 28. Mal dabei. Und in den letzten Jahren waren unsere Veranstaltungen die größten beim Hessentag, zuletzt im vergangenen Jahr in Herborn „Just 90s“ und „Just White“ mit jeweils über 25 000 Besuchern in der Hessentags-Arena. Dazu planet radio mit seiner party attack, Konzert-Präsentationen und vieles mehr.

Wir maßen es uns nicht an, „das“ Rezept für die Hessentage zu haben.

Aber wir glauben, auf Grund unserer Erfahrung, beurteilen zu können, worauf es beim Hessentag ankommt. Was alles im Vorfeld passieren kann, worauf unbedingt geachtet werden muß und wo die großen Chancen für eine Bewerber-Stadt liegen. Und wir haben auch ein Gefühl dafür: kriegt das eine Kommune hin ?

Um es gleich vorweg zu sagen: Wenn eine Stadt wie Bad Vilbel sowas nicht stemmen kann, welche Gemeinde in Hessen sollte das sonst hinkriegen ?

Wir haben Hessentage im Norden, Süden, Westen, Osten Hessens erlebt. Auf dem platten Land – mit nur einer einzigen Landstrasse quer mittendurch. Hessentage in Ballungsräumen, Hessentage in Großstädten wie Kassel. Und wir haben Hessentagsstädte erlebt, die die „Ausrichtung“ wieder ans Land zurückgegeben haben. Und solche, denen die „Ausrichtung“ wieder entzogen wurde. Hessentage mit zehn Tagen Sonnenschein, Hessentage mit zehn Tagen Dauerregen wie beispielsweise in Hessisch Lichtenau – damals mit unserem Konzert mit Xavier Naidooo.

Aus unserer Sicht sind für eine aussichtsreiche Bewerbung und Durchführung eines „Hessentages“ folgende Punkte essentiell. Habe mich bemüht auf 10 Punkte zu kommen, neun sinds geworden:

1. Wir wollen das ! Den Hessentag in Bad Vilbel…

Und dazu gehört vor allem eine glasklare Mehrheit in der Politik, bei den von uns Bürgern gewählten Volksvertretern. Wacklige Mehrheiten pro Hessentag gefährden den Erfolg. Und deshalb sollte man gleich die Finger davon lassen, wenn sich sowas abzeichnet. Deshalb war es sicher 2011/2012 richtig, das Projekt „Hessentag in Bad Vilbel“ erst einmal auf Eis zu legen - als weniger Einigkeit als heute herrschte. Nie wird man 100 % politische Zustimmung erreichen, aber je höher desto besser. Bad Hersfeld hat ja gerade für 2019 die Ausrichtung übertragen bekommen. Und im Herbst vergangenen Jahres wurde dort der Bürgermeister gewählt. Sehr positiv aus meiner Sicht: alle Bürgermeister-Kandidaten hatten im Wahlkampf ihr „Ja“ zum Hessentag bekräftigt.

2. Der Hessentag kostet Geld!

Bad Vilbel hat sehr große Standortvorteile im Rhein-Main-Gebiet versus anderen Regionen, die Stadt profitiert von der direkten Nachbarschaft zu Frankfurt. Wie Sie alle wissen.

Aber Bad Vilbel befindet sich auch im heftigen Wettbewerb mit allen anderen Kommunen im Rhein-Gebiet um neue Bewohner, neue Arbeitsplätze, Gewerbeansiedlungen. Und da ist heutzutage mit einem niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatz nicht mehr so richtig zu punkten, da er nivelliert wird (bei uns schlagendstes Argument in 2001).

Die „weichen Faktoren“ werden vielmehr immer wichtiger, die die Stadt noch interessanter machen. Weiche Faktoren: das ist beispielsweise die attraktive, gut angenommene „Neue Mitte“ in Bad Vilbel, das sind die Burgfestspiele, Bad Vilbel hat eine „Europäische Schule“, Bad Vilbel baut ein neues Bad, wo gibt es das heute schon.

Das Projekt „Hessentag in Bad Vilbel“ ist aus meiner Sicht ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung unserer Stadt hinsichtlich der „weichen“ Faktoren.

Und das sollte der Stadt eine finanzielle Investition in die Zukunft wert sein, meine ich.

3. Das Geld ist nicht zum Fenster rausgeworfen!

Jedes Unternehmen versucht in seiner Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Investitionsplanung Jahr für Jahr eine vernünftige Balance zwischen Kosten und Nutzen darzustellen. Beim Hessentag sollte und muß man das auch nüchtern tun. Besonderheit: der Hessentag ist für eine Stadt in der Regel einmalig, er ist ein emotional besetztes Thema (das soll es ja positiv auch sein). Und deshalb können die Hessentags-Finanzen leicht in unsachliche geführte Diskussionen geraten.

Der „Hessentag als Millionengrab?“ Die Frankfurter Neue Presse hat am 12. November vergangenen Jahres im überregionalen Teil so getitelt. Im Gegensatz zu ihrer Vilbeler Ausgabe, die offenbar dem Hessentag positiv gegenüber steht. „Verlustgeschäft für die Stadt“ –in diesem Falle Herborn- war der Anlass für die Headline.

Mit Verlaub: mit solchen Headlines kann man ein Projekt totmachen, weil sie so schön pauschal und vollmundig klingen.

Bürger wie Politiker sollten aber auf solche markigen Aussagen nicht hereinfallen sondern genauer hinschauen.

Ohne den Hessentag müßte die Stadt auf einen Zuschuss des Landes Hessen in Höhe von neun Millionen €, später 8,5 Mio. € verzichten ! Und der ist nicht nur für die Ausrichtung des Hessentages, sondern auch für langfristig wirkende Infrastrukturprojekte in der Stadt gedacht. Egal, was es ist.

Natürlich muß eine Stadt für den Hessentag Geld in die Hand nehmen. „Schöne Dinge kosten eben Geld“, so der Herborner Bürgermeister Hans Benner von der SPD, „die Hoffnung auf eine Schwarze Null hatten wir nie“.

Recht hat er – aus meiner Sicht. Und wenn er das selbstbewußt für das mittelhessische Herborn sagt – dann müsste das für uns in Bad Vilbel, mit seinen weitaus größeren Möglichkeiten, erst recht gelten.

Sachlichkeit in Sachen Finanzen und Transparenz sind aber absolut notwendig, um emotionale Diskussionen zu führen und zu bestehen – pro Hessentag.

Vor zwei Wochen wurde ja in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet. Und Sie alle kennen die jahrelange Diskussion um die Kosten, die Bauzeit. Ich schätze, hätte es eine Bürgerabstimmung im Vorfeld gegeben – wäre das Projekt nie angegangen worden. Und natürlich ist es zu teuer geraten. Aber jetzt überwiegt der große Stolz auf das einzigartige Bauwerk. Über 500 000 Besucher haben die Aussichtsplaza innerhalb weniger Wochen besucht, die Konzerte sind komplett ausgebucht, Hamburg wird wachsen als Touristen-Magnet. Ich will die „Elphi“ nicht mit dem Hessentag vergleichen: aber wenn ein solch positiver Effekt für Bad Vilbel eintreten würde, bei weitaus geringeren Risiken, dann wäre das der Mühen wert.

4. Wir sind Bad Vilbel !

Bad Vilbel – das sind Massenheim und Gronau, Heilsberg und Dortelweil, die Innenstadt. Das ist die Stadt der Kreisel und der Quellen, der Musterhaussiedlung, des Vilbeler Marktes und eines intensiven Vereinslebens in den Stadtteilen.

Einige Frankfurter haben –wie es gelegentlich ihre Art ist- noch vor 20-30 Jahren eher ein bisschen mitleidig auf das in die Jahre gekommene Bad Vilbel geschaut. Das ehemalige „Arbeiterbad“. Wir alle wissen, wie sich Stadt und Image beträchtlich entwickelt haben, gerade in den letzten Jahren.

Was bei allem kulturellen und Vereinsleben in der Stadt und ihren Stadtteilen noch gesteigert werden kann: das ist das „Wir“-Gefühl. Wir sind nicht nur Massenheim und Gronau. Nicht nur Heilsberg und Dortelweil. Wir sind Bad Vilbel !

Das „Wir sind stolz auf unsere Stadt“ ist das eine, was ein Hessentag auslösen könnte. Sowas können weder der Bürgermeister noch die Stadtverordnetenversammlung beschließen, schon gar nicht anordnen. Das entsteht allein durch gemeinsames Handeln. Und bei einem „Hessentag“ sind wirklich alle gefordert, mitzumachen, Ideen einzubringen, sich zu präsentieren. Anzupacken bei den vielen Aufgaben. Da können die Vereine hilfreich sein, da ist auch Privatinitiative gefragt. Und genau bei diesem gemeinsamen Tun kann das entstehen, was Bad Vilbel sicher gut tun würde: Wir sind wer ! Wir schaffen das ! Wir stemmen den Hessentag! Wir sind eine starke Kommune in Hessen! Wir sind Bad Vilbel !

Machen wir uns nichts vor: es wird auch bei einem Projekt „Hessentag“ immer einige geben, die kräftig mitziehen. Andere werden zunächst zaudern. Andere vielleicht sich gänzlich verweigern. Zumindest sollten letztere den „Machern mit
Augenmaß“ nicht im Weg stehen.

Ich bin überzeugt davon: wenn der Beschluss „Wir machen den Hessentag“ da ist und das Datum näher rückt, dann wird es spätestens dann –trotz aller zu lösender Probleme- eine positive Stimmung für den „Hessentag in Bad Vilbel“ geben.

Ich will Oberursel nicht 1:1 mit Bad Vilbel vergleichen. Dort ist genau das gelungen, was ich versucht habe als möglichen, ja wahrscheinlichen Effekt zu beschreiben. Unter der umsichtigen und bodenständigen Federführung von Bürgermeister Brum ist genau das entstanden: „Wir sind Oberursel“. Wir sind nicht nur die Addition der Stadtteile. Wir haben eine attraktive Stadt – obwohl man beim Durchfahren durch Oberusel (pardon) nicht immer der Meinung sein muß. Unser Team hat es während der zehn Tage wirklich gespürt: die sind während und nach dem Hessentag ideell zusammengewachen!

In ländlichen Regionen ist die Identität mit der Gemeinde oft stärker ausgeprägt, dafür gibt´s dann andere Probleme. Aber gerade in großstadt-nahen, „zusammengewürfelten“ Gemeinden mit altem Kern, Neubausiedlungen, vielen Pendlern und Hinzugezogenen scheint das gute Beispiel „Oberursel“ ein Hinweis darauf zu hin, wie Bad Vilbel profitieren könnte!

5. Alle Jahre wieder!

Alle Jahre wieder vor einem Hessentag werden nicht nur die großen finanziellen Fragen gestellt, sondern auch ganz viele praktische: Wenn in Bad Vilbel die Strassen gesperrt sind: wie komme ich dann zu meiner Garage ? Sollten wir die Geschäfte nicht schließen – das bringt doch keinen Mehr-Umsatz ? Sollte die Frankfurter Straße nicht autofrei bleiben – in dieser Zeit.

Um es gleich vorweg zu nehmen: alle werden zuhause schlafen können, dafür wird es detaillierte Pläne geben. Ja, kräftiger Mehr-Umsatz in den Geschäften ist in den 10 Tagen Hessentag nicht zu erwarten. Aber: Bad Vilbel muß sich trotzdem und gerade während des Hessentages als lebendige, vitale Einkaufsstadt mit Fachwerk-Flair präsentieren und entdeckbar sein für viele auswärtige Besucher. Das zahlt sich erst mittelfristig aus.

Ich kann Sie beruhigen – diese praktischen Probleme haben bisher alle Hessentags-Städte in den Griff bekommen.

Und auch as muß man gelassen hinnehmen: alle Jahre wieder klagen die Aussteller in der „Hessentagsstraße“, wenn es in den Zelten zu heiß ist, oder anders herum wenn es ein paar Tage Dauerregen gibt.

6. Wer sind die Macher beim Hessentag in Bad Vilbel !

Klar, die Stadtverordneten, der Bürgermeister und die Verwaltung haben den Hut auf. Sie stehen gemeinsam gerade gegenüber dem Land, welches den Hessentag in der Regel drei Jahre vor der Veranstaltung vergibt.

Wichtig scheint mir aber , dass das eigentliche Hessentagsteam vor Ort stark besetzt ist!

Da kann man sich sicher in kommenden wie verflossenen Hessentagsstädten erkundigen, wie die das gemacht haben.

Das Team muß extrem belastbar sein, Erfahrungen mit wirklichen Groß-Veranstaltungen haben und eine gute Mischung aus lokaler Verwurzelung in der Verwaltung, bei der Feuerwehr und modernem Veranstaltungs-Management mitbringen.

Wir können nur raten, hier die Hessentags-Organisation nicht gänzlich neu zu erfinden: sondern nach einer Ausschreibung auf viele bewährte Kräfte für Veranstaltungslogistik, Sicherheitskonzept, Ausschreibungen der Gewerke, Parkplatz-Management und vieles andere mehr zurückzugreifen. Das ist die halbe Miete, wie man so schön sagt. Und da kann man viel Geld sparen.

Unser Team hat in den vergangenen Hessentags-Jahrzehnten fast alles schon erlebt: Hessentags-Beauftragte, die mit Herzklabaster ausgeschieden sind, andere die wenige Monate vorher entnervt das Handtuch geworfen haben – aber auch tolle Teams, wie beispielsweise jetzt im vergangenen Jahr in Herborn.

Auf die Stadt und ihr Hessentagsteam kommt es immer mehr an. Dies, nachdem sich das Land in den letzten Jahren immer weniger um die Details vor Ort kümmert, sondern das denen überläßt, die schließlich auch das Risiko übernehmen müssen. Bei einer Anhörung in der Staatskanzlei vor zwei Jahren zum Thema „Hessentag in der Zukunft“ haben wir angeregt, endlich ein Handbuch des Hessentages zu erstellen, denn nicht jede Hessentags-Gemeinde muß nicht jedes Jahr wieder bei Null anfangen. Und es scheint uns unerlässlich zu sein, auch finanzielle Beratung zu leisten, Hilfestellung bei Künstler-Engagement und Equipment-Ausschreibungen. Nach meinem Dafürhalten ist das Land da –aus mir nicht ganz plausiblen Gründen- zurückhaltend. Kleiner Trost: es gibt ein sehr starkes Netzwerk ehemaliger Hessentagsstädte, auf die man bei den vielen anstehenden Herausforderungen handfest zurückgreifen kann.

7. Was sind die Attraktionen beim Hessentag in Bad Vilbel !

Der ausrichtenden Stadt stehen alle Möglichkeiten offen. Da darf sie extrem kreativ sein.

Aber es gibt auch die Standards, wie den Hessentags-Umzug am letzten Sonntag, der übrigens zu den Quoten-Rennern im hr-Fernsehen zählt. Es gibt traditionell eine „Landesausstellung“, früher hätte man dazu Hausfrauenmesse gesagt, die „Hessentagsstraße“ als Anlaufpunkt und Kern des Hessentages. „Natur auf der Spur“ könnte gerade in Bad Vilbel mit einen Grünzonen, dem Kurpark etc. eine besondere Attraktion werden. Und Bad Vilbel mit seiner sehr guten S-Bahn-Anbindung könnte viele Besucher dazu animieren, ihr Auto stehen zu lassen – oder gar mit dem Fahrrad anzureisen.

Die sogenannte „Hessentags-Arena“ mit einer großen Standard-Bühne ist erfahrungsgemäß die größte Veranstaltungsstätte eines Hessentages - für bis zu 30 000 Besucher pro Abend. Rüsselsheim beispielsweise bespielt die Arena, auf einem Opel-Mitarbeiterparkplatz, bisher mit Peter Maffay, den Scorpions, Kings of Leon (präsentiert von FFH), unseren Veranstaltungen FFH-„Just White“ und dem 90er-Festival „FFH-Just 90s“. Zucchero und Gianna Nannini sind dabei und sicher noch mehr Attraktionen.

Diese Konzerte sind gute Zugpferde für einen Hessentag und machen es möglich, dass landesweite Sender wie der Hessische Rundfunk oder unser Haus hessenweit darauf aufmerksam machen. Und damit den „Hessentag in xy“ promoten und auf ihn aufmerksam zu machen.

Allerdings verdienen die Künstler ihr Geld seit einigen Jahren nicht mehr durch CD´s, Spotify oder Downloads – sondern durch Tourneen. Und deshalb sind bekannte Künstler sehr teuer. Ich schätze mal „Pink“ auf eine Gage von 400 000 € zuzüglich der Nebenkosten. Die Konzerte in der „Hessentags-Arena“ sind deshalb alle kostenpflichtig mit Preisen von bis zu 60 € pro Ticket. Wir von FFH versuchen mit unseren Veranstaltungen –die wir gemeinsam mit den Städten angehen- niedrige Preise für jedermann zu realisieren: 13 € pro Karte zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Und in den letzten Jahren ist es bei unseren Veranstaltungen stets gelungen einen leichten Überschuss auch für ausrichtende Stadt zu erzielen.

Bei den Konzerten liegen Chance und Risiko für eine Hessentagsstadt dicht beieinander: Man braucht bekannte Namen für die Bewerbung, andererseits steigt das Risiko für die Stadt bei schleppendem Karten-Verkauf oder mangelnder Werbung. Der frühere Hessentagsbeauftragte des Landes hat zu seiner Zeit Hilfestellung gegeben, weil es auch sein Hobby quasi war, heutzutage sind die Städte auf sich selbst gestellt – und werden überschwemmt mit seriösen und unseriösen Konzert-Angeboten. Konzert-Engagements sind immer mit Risiko behaftet: zieht der Künstler oder nicht ?. Auch wir von FFH haben bei den Künstlern keine Sonder-Konditionen, aber wir könnten uns vorstellen gerade hier Hilfestellung zu leisten und zu Tipps zu geben. Sollte das gewünscht sein.

Bad Vilbel hat mit seiner markanten Lage im Rhein-Main-Gebiet einerseits ein großes Besucher-Potential – aber auch damit zu kämpfen, dass die Bürger hier „verwöhnt“ sind, was die Konzerte anbelangt. Da ist ein Auftritt von Pink im mitztelhesssichen Stadtallendorf oder xy in Hessische Lichtenau etwas mehr Besonderes….Aber das haben Oberursel und Rüsselsheim auch hingekriegt.

8. Die Medien und der Hessentag !

Maximale Medien-Aufmerksamkeit bei einem Hessentag ist sicher garantiert, vor allem bei den regionalen Tageszeitungen aber auch beispielsweise im hr-Fernsehen. In großem Stil selbst aktiv werden nur wenige Medien-Unternehmen. Das gilt sicher für den hr mit seinen diversen TV-Produktionen während des Hessentages, aber auch für die Radio/Tele FFH. Zudem ein Hessentag in Bad Vilbel sicher auch direkt vor der Haustür unseres Funkhauses stattfinden würde.

Da muß man aber auch die unterschiedlichen Größen der Häuser berücksichtigen: FFH ist zwar der Radiomarktführer in Hessen mit vielen Millionen Hörern pro Tag – aber auch nur 100 Mitarbeitern, während der hr immerhin 1500 feste Mitarbeiter zählt, dazu noch 1000 Freie. Während FFH sein Geld ausschließlich über Werbung verdient, sind beim hr die Kassen Anfang des Jahres mit 500 Millionen aus den Gebühren/der Haushaltsabgabe gefüllt.

Ich beschwere mich an dieser Stelle nicht über dieses Ungleichgewicht – aber möchte aber auf die unterschiedlichen Möglichkeiten hinweisen. Wir als FFH und als Bad Vilbel-Bürger werden sicher überlegen, was wir Besonderes auf die Beine stellen könnten. Aber ein „Hessentag in Bad Vilbel“ muß auch ohne uns funktionieren. Unsere Beiträge sind dann lediglich das „Sahnehäubchen“.

Und auch das habe ich schon gehört: wenn ein „Hessentag“ in der FFH-Stadt Bad Vilbel stattfindet, dann werden sich die Kollegen vom Frankfurter Dornbusch vornehm zurückhalten. Ich habe mit dem Intendanten noch nicht darüber gesprochen – aber ich ahne, das Gegenteil von Zurückhaltung wird der Fall sein. Wir freuen uns auf den Wettbewerb in Bad Vilbel – wenn die Bürger und Hörer die Nutznießer sind !

9. Zum guten Schluss !

Aus unserer Sicht wäre der „Hessentag in Bad Vilbel“, um auf den eigentlichen Titel dieser Veranstaltung zurückzukommen, sicher eine große Chance, die wir ratenwürden, nicht zu verpassen. „Party oder Pleite“ – diese Frage stellt sich aus unserer Sicht nicht. Wir sind überzeugt dass davon, daß Bad Vilbel landesweit eine überzeugende Visitenkarte für abgeben könnte – mit großen Chancen das „Wir Gefühl“ in der Stadt und ihren Stadtteilen deutlich zu steigern. Klar kostet das Geld. Aber wenn Sie meine bescheidene Meinung noch einmal hören wollen: es ist gut angelegt. Auf unser Unternehmen können Sie zählen.

Nun liegt es an uns allen, auch an der Politik, eine Entscheidung zu treffen – und sich im Wettbewerb zu anderen potentiellen Hessentagsstädten zu bestehen.

Wenn eine Stadt wie Bad Vilbel einen Hessentag nicht stemmen kann, welche Gemeinde in Hessen sollte das sonst hinkriegen ?

Das Thema war höchst interessant, der Saal war voll.


Hans-Dieter Hillmoth im Gespräch mit verschiedenen (auch ehemaligen) Bürgermeistern

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